Wird die Jugend beim Mindestlohn abgehängt?!
19. November 2016 von

Unser neues Juso-Mitglied Engin Darici nimmt in einem Blog-Eintrag Stellung zum aktuellen Mindestlohn. Er merkt kritisch an, dass auch hier Änderungen erfolgen müssen

Unser neues Juso-Mitglied Engin Darici nimmt in einem Blog-Eintrag Stellung zum aktuellen Mindestlohn. Er merkt kritisch an, dass auch hier Anpassungen erfolgen müssen

Ein Blog-Eintrag von unserem Neumitglied Engin Darici:

Als klar wurde, dass Deutschland wie 21 andere EU-Länder davor nun auch einen Mindestlohn kriegt, meldeten sich die ersten Skeptiker zu Wort, die nicht glauben wollten, dass dies ohne jegliche Ausnahme geschehen würde. Arbeitsministerin Nahles wurde nämlich nicht müde zu betonen, dass mit ihr keine Ausnahmen zu machen sind.

Doch wie so oft in Demokratien und vor allem in Koalitionsregierungen musste sich Frau Nahles einigem Gegendruck, besonders aus den Reihen der Union, entgegensetzen und somit Ausnahmen zulassen. Seit dem 01. Januar 2015 gilt also nun dieser „schweizer-Käse-Mindestlohn“ hierzulande.

Eine von zahlreichen Gruppen, die durch eine solche Ausnahmeregelung betroffen ist, ist die Jugend. Der Mindestlohn gilt nämlich generell nicht für unter 18-Jährige. Diese Tatsache widerspricht dem allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG). Welche Argumente haben also Gegner des Mindestlohns für Jugendliche?

Erstens bilde ein im Vergleich zu den Ausbildungsvergütungen deutlich höherer Mindestlohn für Jugendliche einen negativen Anreiz auf eine Berufsausbildung zu verzichten. Darüber hinaus sei ein allgemeiner Mindestlohn eine hohe Hürde für den Einstieg in den Arbeitsmarkt und führe zu negativen Beschäftigungseffekten für Jugendliche.

Betrachtet man im Vergleich andere EU-Länder, so haben 21 einen Mindestlohn, 12 davon ohne Abweichungen für junge Arbeitnehmer, 9 einen „Jugendmindestlohn und 6 davon mit Regelungen für unter 18-Jährige. Nun ist in der EU oft zu hören, dass viele Länder unter einer hohen Jugendarbeitslosigkeit leiden. Ist dies auf den Mindestlohn zurückführen? In der Literatur spielt der Mindestlohn dafür kaum eine Rolle. (z.B. Dietrich 2012, Thompsen 2013). Große Bedeutung haben konjunkturelle Faktoren wie prekäre Beschäftigung und schwacher Beschäftigungsschutz von Jugendlichen. Flexiblere und weniger regulierte Arbeitsmärkte haben einen deutlich stärkeren Anstieg von Jugendarbeitslosigkeit zu verzeichnen.

In Großbritannien hat man festgestellt, dass ein Mindestlohn keine negativen Effekte auf das Ausbildungsverhalten hat (Crawford 2011, Gutachten für die Low Pay Commission). In Deutschland sind große Unterschiede zwischen Ausbildungsvergütungen und Einstiegsgehältern Tradition und ohne problematische Effekte.

In den Niederlanden beobachtet man in bestimmten Branchen starke Verdrängungseffekte älterer durch jüngere Arbeitnehmer unter 23 Jahren, da diese vom Mindestlohn ausgeschlossen sind. (FNV Jong 2013)

Auch die von vielen Gegnern aufgezeigte niedrigere Produktivität von Jugendlichen, die eine geringere Entlohnung rechtfertigen soll, trifft nur bedingt zu. Gerade in den typischen Tätigkeitsbereichen von Jugendlichen, wie dem Einzelhandel oder der Gastronomie weisen junge Arbeitnehmer in der Regel keine oder nur geringe Produktivitätsdefizite gegenüber älteren Mitarbeitern auf.

Mal ganz abgesehen davon, dass auch andere von Gegnern heraufbeschworene Horrorszenarien wie der Verlust tausender Arbeitsplätze sich nicht bewahrheitet haben, bleibt an dieser Stelle nur zu sagen, dass die Ausnahmeregelung für unter 18-Jährige ein Fehler war und sofort rückgängig zu machen ist. Doch es ist zu befürchten, dass auch heute noch die Gegner in klassischer postfaktischer Manier an ihren Behauptungen festhalten werden und sich mit aller Macht dagegen stemmen.


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2 Antworten zu “Wird die Jugend beim Mindestlohn abgehängt?!”

  1. Thomas sagt:

    Die Einführung des Mindestlohnes war in jedem Fall ein ganz wichtiger Schritt in die richrige Richtung. Dennoch muss sich in diesem Bereich auch in Zukunft noch einiges ändern.

    • Nils sagt:

      Da sind wir vollkommen bei dir. Gerade für jüngere Menschen, die nur einen Minijob haben, existiert der Mindestlohn in der Realität noch gar nicht. Wir haben schon einige Strategien erarbeitet, die wir in den kommenden Monaten in unsere Arbeit einbringen wollen. Vor allem sind uns neue Ausbildungsplätze für unsere Region wichtig, daher haben wir auch unsere Ausbildungsplatzinitiative gestartet, um aktiv bei Unternehmen zu werben.

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